2. Diagnose psychischer Störungen

Bemühen wir noch einmal die ICD und schauen uns die hier aufgeführten Symptome bei einer Depression an:

„Bei den typischen leichten (F32.0), mittelgradigen (F32.1) oder schweren (F32.2 und F32.3) Episoden leidet der betroffene Patient unter einer gedrückten Stimmung und einer Verminderung von Antrieb und Aktivität. Die Fähigkeit zu Freude, das Interesse und die Konzentration sind vermindert. Ausgeprägte Müdigkeit kann nach jeder kleinsten Anstrengung auftreten. Der Schlaf ist meist gestört, der Appetit vermindert. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind fast immer beeinträchtigt. Sogar bei der leichten Form kommen Schuldgefühle oder Gedanken über eigene Wertlosigkeit vor. Die gedrückte Stimmung verändert sich von Tag zu Tag wenig, reagiert nicht auf Lebensumstände und kann von so genannten „somatischen“ Symptomen begleitet werden, wie Interessenverlust oder Verlust der Freude, Früherwachen, Morgentief, deutliche psychomotorische Hemmung, Agitiertheit, Appetitverlust, Gewichtsverlust und Libidoverlust. Abhängig von Anzahl und Schwere der Symptome ist eine depressive Episode als leicht, mittelgradig oder schwer zu bezeichnen.“

Die fettkursiv gedruckten Worte sind Symptome, die Sie bei depressiven Menschen beobachten können. Sobald diese Symptome auftauchen, können Sie also an eine Diagnose Depression denken – wobei es hier auch noch andere Erkrankungen auszuschließen gilt.

Man spricht von Elementarfunktionen, die dafür verantwortlich sind, dass unser Seelenleben gut funktioniert, sind sie gestört – eine oder mehrere – sprechen wir von einer psychischen Störung:

  • Bewusstsein
  • Orientierung
  • Aufmerksamkeit
  • Konzentration
  • Gedächtnis
  • Intelligenz
  • Denken
  • Wahrnehmung
  • Affekte
  • Ich-Erleben
  • Antrieb/Motorik

Auch hier schauen wir uns exemplarisch einmal eine Elementarfunktion an:

Beispiel: Affektstörung

Affekte sind Stimmungen und Gefühle, die wir erleben. Wir können Sie auf unterschiedliche Arten erleben, bzw. an unserem Klienten erleben. Je nach dem, wie seine Affekte geartet sind, kann hier eine entsprechende Diagnose gestellt werden:

Affektverarmung, affektive Verflachung: Beschreibt den Zustand mangelnder Gefühle, der Patient kann keine Freude empfinden (Anhedonie) und empfindet ein Gefühl der Gefühllosigkeit. Dabei schwindet das Gefühl für Empfindungen gänzlich – bei Depressionen bspw. Affektverarmung kommt bei organischen oder bei schizophrenen Psychosen vor.

Affektstarre: Der Patient verharrt in einem Affekt, unabhängig von der äußeren Situation. Sie kommt bei organischen Psychosen, Depressionen oder Schizophrenie vor.

Inadäquater Affekt oder Parathymie: Ebenso bei organischen Psychosen, Depression oder Schizophrenie kommen paradoxe Affekte vor. Der Patient lacht bspw. wenn er etwas Trauriges erzählt.

Affektinkontinenz: Der Patient kann seine Affekte nicht mehr steuern, sie brechen aus ihm heraus. Gefühlsausdruck und Erlebnisinhalt stimmen nicht überein. Der Patient fängt beim Namen einer Person bitterlich an zu weinen. Sie Kommt bei organischen Psychosen vor (z.B. vaskulären ZNS-Erkrankungen)

Affektlabilität: Die Stimmung wechselt spontan und hat jeweils eine kurze Dauer. „Himmelhoch jauchzend zum Tode betrübt“. Kommt v.a. bei organischen Psychosen vor.

Ambivalenz: Positive wie negative Gefühle bestehen gleichzeitig nebeneinander, wie Liebe und Hass. Neben dem normalpsychischen Bereich kommt dieser Zustand bei Depressionen, Zwangsstörungen und Schizophrenie vor.

Störung der Vitalgefühle: Hier empfindet bspw. der depressive Mensch ein körperliches Gefühl als Ausdruck seiner Traurigkeit (Schmerzen in der Brust, etc.). Wenn Vitalstörungen und körperliche Symptome bei einer Depression im Vordergrund stehen, spricht man von einer larvierten oder maskierten Depression.

Sie sehen, eine Affektive Störung (Sie erinnern sich noch an die ICD, hier haben wir das Thema affektive Störung angeschaut und hier wiederum genauer die Manie) ist eben nicht gleich eine affektive Störung. Eine gute Diagnose ist unerlässlich und dazu müssen Sie die Diagnosekriterien und die entsprechenden Elementarfunktionen kennen.

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