7. Neurotische Störungen

Zu den neurotischen Störungen gehören heute die folgenden:

  • Phobische- und andere Angststörungen
  • Zwangsstörung
  • Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen
  • Dissoziative Störungen [Konversionsstörungen]
  • Somatoforme Störungen

Schauen wir uns exemplarisch die Zwangsstörungen an.

Beispiel: Zwangsstörungen

Sie sind gekennzeichnet von dem Dran, Dinge tun zu müssen, die nicht sinnvoll sind und von den Betroffenen als sinnlos erachtet werden. Dies kann der dauernde Zwang sein, seine Hände zu waschen oder nach einem festgelegten Ritual zu kontrollieren, ob Geräte ausgeschaltet sind.

Beim Auslassen der Handlung tritt eine derart große Angst auf, dass sie am Ende dann doch ausgeführt wird.

Ein Zwang kann „nur“ gedanklich ausgeführt werden (z.B. der Impuls, etwas zu tun, was man dann doch nicht tut) oder eben körperlich (wie putzen, waschen, kontrollieren, etc.)

Kriterien nach ICD-10 sind:

  • Die Zwangsgedanken oder zwanghaften Handlungsimpulse müssen vom Patienten als seine eigenen erkannt werden.
  • Mindestens gegen einen Zwangsgedanken oder gegen eine Zwangshandlung muss der Patient noch Widerstand leisten.
  • Der Zwangsgedanke oder die Zwangshandlung dürfen nicht an sich angenehm sein.
  • Die Zwangssymptome müssen sich in unangenehmer Weise wiederholen

Die Wahrscheinlichkeit, an einem zwang zu erkranken, liegt bei 2%.

Bei Krankheiten taucht natürlich auch immer die Frage nach den Ursachen auf. Diese sind bei psychischen Erkrankungen leider schwer zu definieren. Schauen wir uns einmal an, welche Ursachen beim Zwang in Betracht kommen können:

Als biologische Faktoren kommt eine Funktionsstörung des Botenstoffhaushaltes im Gehirn in Betracht. Dies erklärt auch die Wirksamkeit von Antidepressiva (SSRI). Außerdem wurden in bildgebenden Verfahren Störungen in verschiedenen Hirnbereichen festgestellt.

Psychodynamisch geht man von einem Abhängigkeits-Autonomie-Konflikt aus. Konflikte zwischen einem aggressiven „Es“ und einem rigiden „Über-Ich“ werden durch bestimmte Abwehrmechanismen in einer für das Bewusstsein tolerablen Weise bearbeitet. Man geht von einer Fixierung in der analen Phase (2.-3. Lebensjahr) aus. Hier beginnt das Kind, seine Autonomie zu entfalten. Bei rigider, strenger Erziehung kann es zur Ausbildung eines rigiden „Über-Ichs“ kommen.

Lerntheoretisch kommen die klassische und Operante Konditionierung in Frage. Das Vermeidungsverhalten ist auch hier für die Aufrechterhaltung des Zwangs von großer Bedeutung. Kognitive Ansätze bieten die Erklärung, dass ursprünglich normalpsychisch vorhandene aggressive oder magische Gedanken subjektiv als inakzeptabel bewertet werden. Es entstehen Unwohlsein und/oder Neutralisationsversuche. In beiden Fällen wird den Gedanken mehr Aufmerksamkeit geschenkt.

Aufrechterhaltende Faktoren sind ebenso relevant. An erster Stelle steht hier das Vermeidungsverhalten. Dadurch verhindert der Betroffene die Erfahrung, dass ein Verbleiben in der Auslösenden Situation wieder zur Erleichterung führen würde. Über Neutralisierungsrituale kommt er zu einer Entlastung (primärer Krankheitsgewinn). Auch kann er evtl. durch seine Störung eine Machtposition in der Partnerschaft aufrechterhalten oder sich durch Arbeitsunfähigkeit entlasten (sekundärer Krankheitsgewinn)

Als Therapie kommt unter anderem eine Verhaltenstherapie in Frage, aber auch eine medikamentöse Therapie.

0 Kommentare

Hinterlasse ein Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar