Die Psychologie des Gelingens – WAHR

Frauen melden sich zu einem Diätkurs an. Zu Beginn werden Sie gefragt, wie realistisch es aus ihrer Sicht ist, dass sie Gewicht verlieren. Zudem bekommen Sie zwei Geschichten erzählt, die Sie komplettieren sollen:

„Die Diät ist vorbei und ich feire das mit einer Freundin. Wir treffen uns und während ich auf sie warte, denke ich …“

„Ich bin zu einem Meeting eingeladen und bin als erste im Meetingraum. Vor mir steht ein großer Teller mit leckeren Keksen. Ich …“

Frauen, die ihre Chancen, abzunehmen, positiv bewertet haben, nehmen in der Tat bis zu 13 Kilo mehr ab als die, die weniger überzeugt waren. Frauen aus der positiv gestimmten Gruppe, die ein positives Ende der Geschichte erzählten (z.B. „meine Freundin hat mich kaum wiedererkannt, so schlank bin ich geworden“ oder „ich widerstehe den Keksen natürlich“ ), haben wiederum bis zu 12 Kilo weniger abgenommen, als solche, die ein weniger euphorisches Ende der Geschichte erzählten.

Schwelgen in der positiven Zukunft suggeriert also, dass wir schon da sind, wo wir hinwollen. Zudem raubt uns dieses Schwelgen die Energie, die wir benötigten, um tatsächlich dort hinzukommen. Auch verhindern diese Phantasien, dass wir  andere Optionen in Betracht ziehen oder zu dem Schluss kommen, dass wir für diese Zukunft gar nicht bereit sind.

FAZIT: Tagträumen hilft nicht, an ein Ziel zu kommen!

In einem weiteren Experiment wurden Studierende gebeten, ihren wichtigsten Wunsch in Bezug auf Ihre Beziehungen zu äußern. Zunächst ging es wieder darum, einzuschätzen, wie realistisch die Erfüllung des Wunsches sei. Danach sollte jeder Teilnehmende  vier positive Stichworte wie „mehr Zeit füreinander“ oder „sich geborgen fühlen“ und auch vier Hinderungsgründe wie „ich bin zu schüchtern“ oder „Ich habe zu wenig Zeit“ aufschreiben. Nun wurden vier Gruppen gebildet. Gruppe eins wurde damit beauftragt, zunächst sich die vier positiven Stichworte bildhaft vorzustellen, um sich danach die vier negativen bildlich auszumalen. Die zweite Gruppe schwelgte nur in den positiven Bildern, die dritte Gruppe grübelte über die negativen  Stichworte und die vierte Gruppe grübelte zunächst, um danach in den positiven Phantasien zu schwelgen (also gerade umgekehrt zur ersten Gruppe).

Wie zu erwarten, waren diejenigen, die sich zunächst die positive Zukunft vorstellten, um danach über die Hindernisse zu grübeln die erfolgreichsten in ihrem Vorhaben – allerdings nur dann, wenn ihre Einschätzung im Vorfeld auch positiv war. Alle anderen waren weniger erfolgreich.

FAZIT: Wer neben der positiven Vorstellung seiner Zukunft DANACH auch die Hindernisse phantasiert, hat eine signifikant gute Chance, sein Ziel zu erreichen!

Während die Wissenschaftlerin an dieser Entdeckung forschte, wurde auf einem ähnlichen Gebiet Ähnliches entdeckt: Peter Gollwitzer forschte und entdeckte, dass ein Plan, wenn er ausformuliert niedergeschrieben wurde, eher zur Erfüllung neigt, als ein Plan, der gerade mal nur gefasst wurde.

In allen Experimenten konnte gezeigt werden, dass die Durchführungsintention (so nannte man das Erstellen eines solchen Planes) signifikant (also mittel bis stark) halfen, eine Aufgabe trotz Widerstände zu beginnen und weiterzuführen. Außerdem halfen Sie bei der Erreichung auch anderer Ziele.

FAZIT: Konkretes Aufschreiben unserer Ziele und Hindernisse verstärkt das Erreichen

Wer an das, was er vorhat, seinen Wunsch (W = Wish), glaubt, wird es eher schaffen, den Wunsch zu erreichen, als derjenige, der nicht daran glaubt. Allein eine positive Visualisierung des Wunsches und vor allem seiner Auswirkungen (O = Outcome) allerdings ist kontraproduktiv und raubt die Motivation. Wohingegen das anschließende Visualisieren der Hindernisse (O = Obstacles) bewirkt, dass ebenjene beachtet werden und somit der Zielerreichung nicht mehr im Wege stehen, sondern sie sogar positiv unterstützt. Das Ganze als Plan (P = Plan) zu verfassen und zu den Hindernissen auch noch die Reaktion auf selbige vorher festzulegen die Erreichung des Zieles nahezu perfekt machen.

Daraus entwickelte die Wissenschaftlerin das Akronym WOOP (siehe Beschreibung in den Klammern im obigen Text). Ich möchte es für den deutschen Nutzer etwas umändern in

W(unsch) A(uswirkung) H(indernisse) R(eaktion auf die Hindernisse) = WAHR

Jetzt sind Sie dran. Nehmen Sie sich ein Ziel vor und formulieren Sie es anhand der WAHR-Formel:

Ein Beispiel: „Ich möchte in den nächsten drei Monaten 5 Kilo abnehmen. Ich stelle mir vor, wie ich in meine alten Klamotten wieder reinpasse und meine Freunde mich bewundernd anschauen, weil ich wieder schlank bin. Natürlich weiß ich, dass ich Süßem kaum widerstehen kann. Wenn ich damit also konfrontiert werde, dann atme ich zweimal tief durch und erinnere mich daran, dass ich abnehmen möchte. Außerdem gönne ich mir statt der Tafel Schokolade zwei Scheibchen getrockneten Apfel oder lutsche ein Zuckerfreies Bonbon.“

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